Veranstaltung

Reihe zu Neoliberalismus

13.8. - 15.10. 2026

Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)

Parallel zur Beendigung des Bretton Woods Währungssystems und dem damit eingeläuteten Ende des Keynesianismus entsteht in Chicago unter Milton Friedman ein Projekt, das die theoretische Grundlage für einen Wechsel von Regierungen und politischen Programmen in den großen westlichen Industriestaaten hin zu einer neoliberalen Ausrichtung bildet. Bereits vor Margaret Thatcher (Großbritannien 1979), Ronald Reagan (USA 1980) und Helmut Kohl (BRD 1982) setzen die „Chicago Boys“ in Chile unter Augusto Pinochet die von Friedman nach seinem Besuch beim Diktator empfohlene Schocktherapie durch neoliberale Reformen um. Gewaltsam und sukzessive werden national und international die neoliberalen Programme durchgesetzt und scheinen heutzutage alternativlos, zumindest realpolitisch unwidersprochen. Als Thatcher in späten Jahren nach ihrer größten Leistungen gefragt wird, antwortete sie: »Tony Blair und New Labour. Wir haben unseren Gegner zum Umdenken gezwungen.« Um zu verstehen, was sie damit meint, muss man nicht nach Großbritannien schauen, es reich sich einmal bewusst zu machen, wer mit den HartzIV-Reformen für den größten Abbau des Sozialstaats in den 2000er Jahren regierungsverantwortlich war. Dabei ist Neoliberalismus nicht nur ein politisches Programm, sondern auch eine Form der Machtausübung - die bis hin ins Subjekt (des unternehmerischen Selbst) reicht, welches laut einem der bedeutendsten Theoretiker des Neoliberalismus - Friedrich August von Hayek - darin seine Freiheit hat, sich freiwillig der bestehenden Ordnung zu unterwerfen.
Das, was sich als Theorie und politisches Programm der Freiheit der Individuen verkauft, ist in seinen theoretischen Grundlagen autoritär, historisch gewaltsam durchgesetzt und aufrechterhalten und in seinen Konsequenzen menschenfeindlich - das wollen wir in einer vierteiligen Veranstaltungsreihe herausstellen.

In einer ersten Veranstaltung soll es in einem Vortrag mit Sophia Boddenberg um Chile als Experimentierfeld des Neoliberalismus gehen. In einem dreistündigen Workshop wollen wir uns anschließend mit Silke Ötsch die konkreten Politiken anschauen, sie spricht über den Umbruch von der finanzialisierten Ökonomie zum Monopolkapitalismus. In einem weiteren Workshop wird es mit Björn Öllers um den autoritären Gehalt neoliberaler Ideologie am Beispiel Hayeks gehen. Abschluss der Reihe bildet eine von uns zusammengestellte Collage, die zum einen Erkenntnisse der vorangegangenen Veranstaltungen zusammenträgt und zum anderen mit Gesprächen, Bildern, Filmausschnitten und Musik einen genaueren Blick auf Neoliberalismus in allen Lebensbereichen wirft. Nicht kreativ und innovativ, sondern polemisch und kritisch ist der Abend nicht Abschluss eines zeitlich begrenzten Projektes, sondern als Kritik des Neoliberalismus Teil unserer Arbeit der Kritik der Menschenfeindlichkeit mit dem Ziel der Überwindung des Kapitalismus.

13.8., 19:30 Uhr (hybrid): Sophia Boddenberg - Chile als Experimentierfeld des Neoliberalismus
14.8., 16:00 bis 19:00 Uhr: Silke Ötsch - Von der finanzialisierten Ökonomie zum Monopolkapitalismus
28.8., 16:00 bis 19:00 Uhr: Björn Oellers - Ideologie des Neoliberalismus
15.10., 19:30 Uhr: Collage zu Neoliberalismus

Alle Veranstaltungen finden in der Offenen Arbeit Erfurt statt.

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