Veranstaltung
Vom Finanzkapitalismus zum Monopolkapitalismus? Big Tech und die Transformation des Neoliberalismus
14.8.2026, 16:00 - 19:30
Offene Arbeit Erfurt (Allerheiligenstraße 9, Hinterhaus)
Die globale Wirtschaft wird zunehmend von einer Handvoll technologiebasierter Konzerne geprägt. Nach Börsenkapitalisierung dominieren Big-Tech-Unternehmen die Spitzenpositionen an den Wertpapiermärkten, und ein Großteil des weltweiten Vermögenswachstums der letzten Dekade ist auf den Technologiesektor zurückzuführen. Diese Entwicklung geht einher mit der Verdrängung traditioneller Wirtschaftsstrukturen, der Aneignung von Nutzerdaten, der Gestaltung asymmetrischer Arbeitsverhältnisse auf Plattformen sowie der strategischen Akkumulation von Patenten. Netzwerkeffekte, Skalenvorteile und die Nutzung von Steueroasen verstärken dabei marktbeherrschende Positionen, die nur schwer durch neue Wettbewerber infrage gestellt werden können. Parallel dazu gewinnt der Technologiesektor eine klare geopolitische Dimension: Fragen der digitalen Souveränität, der Klimawirkung von Rechenzentren und der strategischen Bedeutung von KI-Infrastrukturen rücken Big Tech in den Fokus staatlicher und supranationaler Regulierungsbestrebungen - etwa im Rahmen der geplanten Kapitalmarktunion oder europäischer Cloud-Initiativen.
Die Veranstaltung analysiert diese Entwicklungen vor dem Hintergrund politökonomischer Debatten: Folgt die aktuelle Phase noch neoliberalen Marktlogiken, oder markiert sie den Übergang zu einem monopolistischen oder sogar „neofeudalen“ Kapitalismus? Wie verhalten sich die Machtstrukturen der Plattformkonzerne im Vergleich zu den traditionellen Akteuren des Finanzsektors (Vermögensverwalter, Investmentfonds, Banken)? Welche Rolle spielen ideologische Narrative, Medienkonzentration, Sprachmodelle („künstliche Intelligenz“) und die zunehmende politische Einflussnahme von Tech-Milliardären? Und wie lässt sich die anhaltende Präsenz neoliberaler Politikinstrumente (z. B. Haushaltskonsolidierung, Deregulierung) mit der wachsenden Marktkonzentration vereinbaren - ebenso wie die destabilisierenden Effekte dezentraler Finanzinstrumente?
Im 3,5-stündigen Format wird eine kompakte Einführung mit interaktiven Diskussionsphasen kombiniert. In Kleingruppen und im Plenum wird diskutiert: Handelt es sich bei der aktuellen Tech-Dynamik um eine spekulative Blase mit Risiken für die Finanzstabilität oder um einen strukturellen Wandel? Welche regulatorischen, fiskalischen und demokratischen Antworten sind erforderlich? Abschließend werden emanzipatorische Politiken und alternative Wirtschaftsmodelle erörtert, die einer weiteren Konzentration von Wirtschafts- und Machtressourcen entgegenwirken können.
Workshop mit Silke Ötsch im Rahmen einer Reihe zu Neoliberalismus.
Eine Veranstaltung des Biko in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.
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